Aktuelles » Bevölkerungsrückgang in Österreich: „Schlimmer als der 2. Weltkrieg“
In einem Linzer Schulsprengel (Grillparzer-Volksschule) wird im kommenden September kein einziges Kind mit deutscher Muttersprache seine Schullaufbahn starten.
„Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz: Die ungeborenen Enkel“ (Georg Trakl, Gródek 1914) Ein Bericht über die demographische Lage in Oberösterreich
Linz (07.02.2006, Rundschau). In einem Linzer Schulsprengel (Grillparzer-Volksschule) wird im kommenden September kein einziges Kind mit deutscher Muttersprache seine Schullaufbahn starten. Dies berichtete die „Linzer Rundschau“ am 1. Februar 2006. Alle 36 gemeldeten „ABC-Schützen“ haben ausländische Wurzeln. Nur drei Kinder mit deutscher Muttersprache wurden eingeschrieben; die Eltern wollen sie jedoch nicht in die Grillparzerschule schicken, weil sie um die schulische Entwicklung ihres Nachwuchses fürchten. Dieser Exklusivbericht der „Linzer Rundschau“ hat in der Vorwoche national für Aufsehen gesorgt. Er hat signalisiert, dass die Geburtenentwicklung inländischer Frauen in städtischen Räumen – neben Linz auch Wels und Traun – viel stärker eingebrochen ist, als die nackten Zahlen erkennen lassen.
Oberösterreich: 2005 erneut Geburtenrückgang
2004 gab es offiziell 1.376 Ausländergeburten, das waren zehn Prozent von insgesamt 13.937. In den vergangenen fünf Jahren ist allerdings die Zahl der Eingebürgerten sehr hoch gewesen, und diese tragen überdurchschnittlich zur Geburtenstatistik bei. Trotz dieser Hilfe aus dem Ausland wird sich auch das Jahr 2005 negativ in der Bilanz niederschlagen, mit 13.800 Geburten.
Oberösterreich hatte 1963 einen Höchststand von 24.752 Neubürgern. Bis 1995 pendelte sich die Geburtenrate auf etwa 16.000 bis 17.000 ein. Seither sinken die Zahlen erneut deutlich. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Grund: „Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter ist aufgrund des Geburtenrückgangs vor 20, 30 Jahren (Anmerkung von Jugend für das Leben: Einführung der Antibaby Pille, Einführung der Fristenregelung in Österreich) mittlerweile viel geringer. Im Abstand von einer Generation wird es daher jeweils noch weniger Kinder geben“, so der Chefstatistiker des Landes, Ernst Fürst.
Gravierender als Kriegstote
Im Vergleich zu 1965 fehlen 11.000 Geburten pro Jahrgang, zu 1995 sind es 3.000 pro Jahr. Dieses Fortpflanzungsverhalten wirkt daher in der Bevölkerungspyramide dramatischer als die Verluste des Zweiten Weltkriegs. Sie beziffern sich in Oberösterreich auf 50.000 Tote also ca. 8.000 pro Kriegsjahr. „Aus demographischer Sicht ist richtig, dass der Geburtenrückgang viel gravierender wirkt als dieser Krieg“ bestätigt Fürst.
Doch er sieht auch positive Aspekte: Die Zahl der Kinder je Frau (Gesamtfertilität) sei 2004 wieder auf 1,51 gestiegen, den Wert von 1986. Allerdings nur wegen des Fortpflanzungsverhaltens der Einwanderer und statistisch, weil unsere Müttergeneration stark geschrumpft ist. (Anmerkung von Jugend für das Leben: Um die eigene Generation zahlenmäßig gleich bleibend fortzuführen, bedarf es einer Rate von etwa 2,1 Kindern je Mutter)
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